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Familienstellen

 
Die systemische Familientherapie
und Aufstellungen nach Bert Hellinger



Familienstellen kann bei unlösbaren Konflikten helfen sein eigenes Verhalten
und das der Mitmenschen besser zu verstehen sowie
Wege aus Verstrickungen zu finden.
 
 
Aufstellungen zur Gegenwartsfamilie setzen sich mit Mann, Frau, den Kindern und wichtigen
früheren Partnern auseinander. Es geht dabei um Liebe und Leid, um Geben und Nehmen,
um den gerechten Ausgleich, manchmal um's Lösen und Lassen, und immer um das Achten
des anderen.

Ordnungen der Liebe


Wege aus der Verstrickung
 
Gelingen und Scheitern in unseren Beziehungen hängt oft weitgehend davon ab,
welchen Platz wir in unserem Familiensystem einnehmen.



"Wenn man den Eltern Ehre erweist,
kommt etwas tief in der Seele in Ordnung"
Bert Hellinger
 
Was in der Schicksalsgemeinschaft von Familie und Sippe zu schweren Krankheiten führt oder zu Unfällen
und Selbstmord, und was solche Schicksale manchmal noch wendet. Aus einem Kurs für Kranke und Ärzte
während einer internationalen Fachkonferenz über "Medizin und Religion" von Bert Hellinger.
Quelle: Ordnungen der Liebe, Ein Kurs-Buch
von Bert Hellinger, Carl-Auer-Verlag
 
Gründe zum Scheitern können damit zu tun haben, dass wir unbewusst in das Schicksal eines anderen
Familienmitgliedes verstrickt sind: eines Ausgeklammerten, Vergessenen, Verachteten, früh Verstorbenen
oder Totgeborenen Menschen. In dem wir dessen Trauer fühlen, seine Wut oder Rache leben, erfüllen wir
ahnungslos die stummen Regeln eines Bedürfnisses nach Ausgleich und Zugehörigkeit.
Durch die Methode der Familienaufstellungen können wir die Dynamik eines Systems sichtbar machen,
auf welche Art wir mit unserem System verwoben sind. Durch Verändern der Plätze - im Sinne einer von
allen empfundenen guten Ordnung, Zurückgeben von Übernommenem oder nicht Gemässem, und vor
allem durch das Achten des Anderen entsteht ein neues Bild.
 
Etwas ist "in Ordnung" gekommen, die Liebe kann wieder fliessen.
Die Last fremder Verantwortung kann von uns fallen, der Schmerz übernommenen
Leides zurückgegeben werden. Es geht dabei viel um Liebe und Leid, um's Geben und Nehmen,
um den gerechten Ausgleich, manchmal um's Lösen und Lassen, und immer um das Achten des Anderen.
Oft spielt die Ursprungsfamilie in die Gegenwartsfamilie hinein, was dann berücksichtigt werden muss,
zum Beispiel, wenn eine junge Frau ihren Partner "vergrault", um sich zur Mutter loyal zu fühlen, die ihren
Mann durch Tod früh verlor, oder, wenn ein Mann seiner Frau nicht den ersten Platz in seinem Herzen gibt,
weil der schon von seiner Mutter besetzt ist, und er sich für ihr Glück verantwortlich fühlt. Wenn so erkannt
wird, was aus kindlicher Liebe geschieht, kann sich das Herz öffnen für die Liebe zwischen Mann und Frau.
"Wenn die Familie auf diese Weise in Ordnung gebracht ist, kann der Einzelne aus der Familie hinausgehen.
Dann spürt er die Kraft der Familie im Rücken. Erst wenn die Bindung an die Familie anerkannt ist und die
Verantwortung klar gesehen und verteilt wird, fühlt sich der Einzelne entlastet und kann seinem Eigenen,
Besonderen nachgehen, ohne dass ihn das Frühere belastet und einholt."
 
 
 
 

Wer gehört zum Familiensystem?

 
 
System meint eine Schicksalsgemeinschaft von Menschen über mehrere Generationen hinweg,
deren Mitglieder unbewusst in das Schicksal anderer Mitglieder verstrickt werden können.
Man erkennt die Reichweite dieses Systems an der Reichweite der Schicksale, die zu
Verstrickungen führen. Zu dieser Schicksalsgemeinschaft gehören in der Regel folgende
Personen: Das Kind und seine Geschwister oder Halbgeschwister, auch die verstorbenen
und die totgeborenen. Das ist die untere Ebene.

Dann, auf der nächsthöheren Ebene, kommen die Eltern und ihre Geschwister oder
Halbgeschwister, einschliesslich der früh Verstorbenen und der Totgeborenen!
 
Danach, nochmals eine Ebene höher, kommen die Grosseltern und manchmal
noch das eine oder andere ihrer Geschwister oder Halbgeschwister. Das ist aber selten.
 
Von den bisher Genannten sind jene besonders wichtig, die ein schlimmes Schicksal hatten
oder denen von Mitgliedern des Systems Unrecht getan wurde, zum Beispiel beim Erbe,
oder die ausgeschlossen wurden oder weggegeben, verachtet oder vergessen gegangen
sind oder früh verstarben. Dann folgen - und das sind oft die wichtigsten Personen - alle,
die für andere in diesem System Platz gemacht haben, auch wenn sie nicht verwandt sind.
 
Zum Beispiel ein früherer Mann oder eine frühere Frau von Eltern und Grosseltern oder
frühere Verlobte, auch wenn sie gestorben sind. Und es gehören der Vater oder die Mutter
von Halbgeschwistern dazu. Ferner alle, aus deren Nachteil oder Verlust jemand im System
einen Vorteil zog. Ein Beispiel ist, dass jemand etwas geerbt hat, weil ein anderer früh verstarb
oder enterbt wurde.

Und es gehören dazu alle, die für jemanden im System zu seinem Vorteil mitgewirkt haben
und denen dann Unrecht geschah, zum Beispiel Angestellten. Es muss sich dabei aber um
grossen Nachteil und grosses Unrecht handeln. Nicht zum System in diesem Sinn gehören
angeheiratete Onkel und Tanten oder Vettern und Cousinen. Manche meinen, Personen
seien besonders wichtig für das System, wenn sie in der Familie mitgelebt haben,
zum Beispiel eine Grossmutter oder Tante. Bei Verstrickungen aber spielt die räumliche
Nähe überraschenderweise keine Rolle. Im Gegenteil, jemand wird oft in das Schicksal
von jemandem verstrickt, von dem er nicht einmal weiss! Die Rangfolge in der Familie,
 
Wo immer es in Familien einen tragischen Verlauf gibt, hat ein Nachgeordneter gegen
die Ursprungsordnung verstossen. Das heisst, er hat sich etwas angemasst, was Vorgeordneten
vorbehalten bleiben muss. Die Anmassung ist oft nur objektiv, nicht subjektiv. Wenn zum Beispiel
das Kind versucht, für seine Eltern zu sühnen oder die Folgen einer Schuld der Eltern an deren
Stelle zu tragen, dann ist das eine Anmassung. Doch das Kind merkt die Anmassung nicht, weil
es aus Liebe handelt. Es hört im Gewissen keine Stimme, die es davor warnt. Deswegen sind
die tragischen Helden alle blind. Sie meinen, sie tun etwas Gutes und Grosses.

Dennoch schützt sie diese Überzeugung nicht vor dem Untergang.
Die Berufung auf die gute Absicht oder dass gute Gewissen, wenn sie - meist nachträglich -
ins Spiel gebracht wird, ändert nichts am Ergebnis und an den Folgen. Das Kind kann sich
gegen die Anmassung nicht wehren, denn es wird durch seine Liebe in bester Absicht die
Anmassung getrieben. Erst im Erwachsenenalter, wenn es zur Einsicht kommt, kann es sich
aus den Fesseln der Anmassung befreien und auf den Platz zurücktreten, der ihm zukommt.
Dieses "Sichherausnehmen" aus der angemassten Position fällt dem Kind aber schwer, weil
es dann plötzlich auf nichts anderem mehr stehen kann als auf den eigenen Füssen.
Es muss dann ganz unten anfangen und nur auf das Eigene bauen. Doch auf diesem Platz
bleibt es gesammelt bei sich. Auf dem angemassten Platz gerät es ausser sich und ist
von sich selber entfremdet. In der Familientherapie achtet man daher vor allem darauf,
ob sich jemand etwas anmasst, was ihm nicht zusteht.

Das, in erster Linie, bringt man in Ordnung.
 
 

Vom Himmel, der krank macht und der Erde, die heilt.

 
 
Was hier über den Himmel, der krank macht, gesagt wird, beschreibt, was in der
Schicksalsgemeinschaft von Familie und Sippe zu schweren Krankheiten führt oder zu
Unfällen und Selbstmord; und was über die Erde gesagt wird, die heilt, das will beschreiben,
was solche Schicksale manchmal noch wendet.

Zu schweren Krankheiten oder Unfällen und Selbstmord in der Familie und Sippe führen
Vollzüge, die sich verbinden mit Bildern vom Himmel, von stellvertretendem Leid und
stellvertretender Sühne, vom Wiedersehen nach dem Tod und von persönlicher Unsterblichkeit.
Diese Bilder verführen zu magischem Denken, Wünschen und Handeln, so dass der Kranke
oder der Sterbende meint, er könne durch freiwillig übernommenes Leiden andere von ihrem
Leiden, auch wenn es sie schicksalhaft heimsucht, erlösen.
 
Die Schicksalsgemeinschaft
 
Zur Schicksalsgemeinschaft, in der dieses Denken unheilvoll wirkt, gehören: die Geschwister,
die Eltern und ihre Geschwister, die Grosseltern, manchmal noch der eine oder andere der
Urgrosseltern und alle, die für einen von diesen Platz gemacht haben. Zu denen, die Platz
gemacht haben, gehören: frühere Ehepartner von Eltern und Grosseltern oder eheähnliche
Partner, zum Beispiel frühere Verlobte, und es gehören dazu alle, deren Weggang oder Unglück
anderen den Zugang zu diese Gruppe eröffnet oder ihnen sonst einen Vorteil verschafft hat.
 
 

Die Bindung und ihre Folgen

 
 
In dieser Schicksalsgemeinschaft sind alle an alle gebunden. Am stärksten wirkt die Schicksalsbindung
von den Kindern zu ihren Eltern, zwischen den Geschwistern und zwischen Mann und Frau.
Eine besondere Schicksalsbindung entsteht auch von den später Dazugekommenen zu denen,
die für sie Platz gemacht haben, insbesondere wenn diese ein schweres Schicksal hatten: zum Beispiel
zwischen Kindern aus der zweiten Ehe eines Mannes gegenüber seiner ersten Frau, die im Kindbett starb.
Sie wirkt weniger stark von den Eltern zu den Kindern und am wenigsten von denen, die Platz gemacht
haben, zu jenen, die ihnen auf diesen Platz folgten: zum Beispiel von einer früheren Verlobten des Mannes
zu seiner späteren Frau.
 
Ähnlichkeit und Ausgleich
 
Die Bindung bewirkt, dass die Späteren und Schwächeren die Früheren und Stärkeren festhalten wollen,
damit sie nicht gehen, oder wenn sie schon gingen, dass sie ihnen nachfolgen wollen. Die Bindung bewirkt,
dass jene, die den Vorteil haben, denen, die im Nachteil sind, ähnlich werden wollen.

So wollen die gesunden Kinder ihren kranken Eltern ähnlich werden
und unschuldige Kleine den schuldigen Grossen ähnlich werden.
 
Und die Bindung bewirkt, dass sich die Gesunden für die Kranken verantwortlich fühlen, die Unschuldigen
für die Schuldigen, die glücklichen für die Unglücklichen und die Lebenden für die Toten. Daher sind jene,
die den Vorteil haben, auch bereit, ihre Gesundheit und Unschuld und ihr Leben und Glück für die
Gesundheit und die Unschuld und das Leben und Glück der anderen aufs Spiel zu setzen und
preiszugeben. Denn sie hegen die Hoffnung, dass sie durch den Verzicht auf das eigene Leben
und auf das eigene Glück das Leben und das Glück von anderen in dieser Schicksalsgemeinschaft
sichern oder retten können. Und sie hoffen, dass sie das Leben und das Glück von anderen,
auch wenn es schon verloren ist, wiedergewinnen und wiederherstellen können.
 
In der Schicksalsgemeinschaft von Familie und Sippe herrscht also aufgrund der Bindung
und der Bindungsliebe ein unwiderstehliches Bedürfnis nach Ausgleich zwischen dem Vorteil
der einen und dem Nachteil der anderen, zwischen der Unschuld und dem Glück der einen und der
Schuld und dem Unglück der anderen, zwischen der Gesundheit der einen und der Krankheit der
anderen und zwischen der einen Leben und der anderen Tod. Aus diesem Bedürfnis heraus will
der eine, wenn ein anderer unglücklich wurde, auch unglücklich werden; wenn ein anderer krank
oder schuldig, und wenn ein Nahestehender starb, will es ein ihm nahestehender Lebender auch.
 
Es kommt also innerhalb dieser engen Schicksalsgemeinschaft durch Bindung und Ausgleich zur
Angleichung und zur Teilhabe an der anderen Schuld und Krankheit und der anderen Schicksal
und Tod; und es kommt zum Versuch, für der anderen Heil mit eigenem Unheil, für der anderen
Heilung mit eigener Krankheit, für der anderen Unschuld mit eigener Schuld oder Sühne und für
der anderen Leben mit dem eigenen Tod zu bezahlen.

Der systemische Gleichgewichtssinn
 
Uns bindet an Menschen und Gruppen ein wissender Sinn. Er hält uns, ständig treibend und steuernd,
in Beziehung zu ihnen, gleich wie ein anderer wissender Sinn, der uns entgegen der Schwerkraft ständig
treibend und steuernd im Gleichgewicht hält. Zwar können wir nach vorne oder hinten fallen, wenn wir
wollen, und nach rechts oder links. Doch ein Reflex erzwingt den Ausgleich vor der Katastrophe, und
so pendeln wir zur rechten Zeit zurück ins Lot. Auch über unsere Beziehungen wacht ein unserer Willkür
überlegener Sinn. Er wirkt wie ein Reflex auf Korrektur und Ausgleich hin, wenn wir von den Bedingungen
für das Gelingen der Beziehung abgewichen sind und unsere Zugehörigkeit gefährden. Wie unser Sinn
für das Gleichgewicht, so nimmt auch der Beziehungssinn den Einzelnen zusammen mit dem Umfeld wahr,
erkennt den Freiraum und die Grenze und steuert uns durch Unlust und durch Lust. Schuld und Unschuld
werden also in Beziehungen erfahren, und sie haben mit Beziehungen zu tun. Denn jedes Handeln, das
auf andere wirkt, wird auch von einem wissenden Gefühl der Unschuld und der Schuld begleitet, und wie
das Auge, wenn es sieht, das Helle und das Dunkle dauernd unterscheidet, so unterscheidet dieses
wissende Gefühl in jedem Augenblick, ob unser Handeln der Beziehung schadet oder dient. Was der
Beziehung schadet, fühlen wir als Schuld, und was ihr dient als Unschuld.
 
Schuld und Unschuld dienen dennoch einem Herrn. Denn wie ein Kutscher seine Pferde, zwingt
sie der gleiche Sinn vor einen Wagen, lenkt sie in eine Richtung, und so ziehen sie als ein Gespann
an einem Strick. Sie bringen die Beziehung weiter und halten sie durch ihre Wechselwirkung in der Spur.
Zwar möchten wir die Zügel manchmal selber nehmen, doch der Kutscher lässt sie nicht aus seiner Hand.
Wir fahren auf dem Wagen als Gefangene und Gäste. Des Kutschers Name aber heisst Gewissen.

Die verschiedenen Gewissen
 
Menschen, die aus unterschiedlichen Familien oder Gruppen kommen, haben unterschiedliche Gewissen.
Denn das Gewissen gebietet jedem, was ihn an seine Gruppe bindet und ihr dient, und es verbietet ihm,
was ihn von seiner Gruppe trennt und was ihr schadet. Doch auch der Einzelne folgt dem Gewissen in jeder
Gruppe anders, denn was der einen Gruppe dient, das kann der anderen schaden, und was in der einen
Gruppe Unschuld bringt, stürzt ihn in einer anderen in die Schuld: zum Beispiel in Beruf und Familie.
 
Doch auch im einzelnen selbst und innerhalb der gleichen Gruppe dient das Gewissen Zielen, die sich
sowohl ergänzen als auch widersprechen,zum Beispiel der Liebe und der Gerechtigkeit, der Freiheit und
der Ordnung. Dabei bedient sich das Gewissen für unterschiedliche Ziele unterschiedlicher Gefühle der
Unschuld und der Schuld. Diese Gefühle dienen immer den Beziehungen zu einer Gruppe.
 
 
Wir fühlen daher die Schuld und Unschuld anders, wenn sie der Liebe und der Bindung und anders,
wenn sie dem gerechten Ausgleich dienen; anders, wenn sie der Erneuerung und Freiheit dienen.
Doch was der Liebe dient, schadet der Gerechtigkeit, und was für den Gerechten Unschuld ist,
wird für den Liebenden vielleicht zur Schuld.

Wir erleben das Gewissen manchmal einfach und gebündelt, zum Beispiel wenn wir einem Kind
in Not zu Hilfe eilen. Meistens aber wirkt es mehrfach und verschieden, und entsprechend mehrfach
und verschieden fühlen wir die Unschuld und die Schuld. Wir erleben also das Gewissen manchmal,
als sei es nur ein Einzelnes. Meist aber gleicht es eher einer Gruppe, in der unterschiedliche Vertreter
ihre unterschiedlichen Ziel mit Hilfe unterschiedlicher Gefühle der Schuld und Unschuld unterschiedlich
durchzusetzen suchen. Sie unterstützen sich gelegentlich dabei und halten sich zum Wohl des Ganzen
gegenseitig auch in Schach. Dennoch dienen sie, auch wenn sie sich entgegenstehen, einer höheren
Ordnung, die gleich einem Feldherrn an verschiedenen Fronten mit verschiedenen Truppen auf
verschiedenem Gelände mit unterschiedlichen Mitteln und mit unterschiedlicher Taktik unterschiedliche
Erfolge sucht und es am Ende, um des grösseren Ganzen willen, an allen Fronten doch nur zu
Teilerfolgen kommen lässt.
 

Die Grenzen des Ausgleichs

 
Was innerhalb von Gruppen gültig ist, wird oft auf Gott und das Schicksal übertragen. Wenn zum Beispiel
jemand aus Gefahr errettet wird, wo andere umgekommen sind, will er Gott und dem Schicksal dafür
bezahlen, so als seien sie für ihn ein Gegenüber und er könne sie durch solchen Ausgleich gnädig stimmen.
Dann schränkt er sich vielleicht ein, legt sich ein Symptom zu, opfert etwas, das ihm wertvoll war,
oder jemand anders opfert sich für ihn, zum Beispiel ein Kind.

Oder ein Partner nimmt den anderen nicht, wenn der vorher schon gebunden war, auch wenn sein früherer
Partner starb, weil er ihn wie auf Kosten des früheren hat. Oder Kinder aus der zweiten Ehe ihrer Eltern
nehmen ihre Eltern nicht oder schränken sich ein und bestrafen sich, weil andere für sie Platz gemacht haben.
Noch schlimmer ist es, wenn sie, weil das Schicksal ihnen gnädig war, sich für Auserwählte halten und sich
ihres Glückes brüsten. Denn dann wendet sich ihr Glück, wie immer wir und das erklären wollen,
weil nicht nur sie, sondern auch andere das nicht ertragen. Ausgleich durch Danken und Demut.
 
Vom Schicksal nehmen, wie es gemäss ist, können wir nur, wenn wir das Gute, das uns
unverdienterweise zufällt, nehmen als Geschenk. Das aber ist Danken.

Danken ist Nehmen ohne Überheblichkeit: es gleicht aus, ohne dass ich bezahle.

Solches Danken ist etwas völlig anderes als "danke" sagen. Wenn ich jemandem etwas gebe und
er sagt nur danke, ist es zu wenig. Wenn er aber strahlt und sagt: "Das ist ein schönes Geschenk",
dann hat er gedankt. Dann würdigt er mich und die Gabe. "Danke" sagen ist dagegen oft nur der
Ersatz für dieses Danken.
 
Manche machen das so auch mit Gott und dem Schicksal. Sie sagen danke, statt dass sie nehmen
mit Liebe. Wer ein solch unverdientes Geschenk vom Schicksal nimmt, kommt dennoch unter Druck.
Er muss etwas tun. Aber statt dessen er sich einschränkt, gibt er von dem, was er bekommen hat, weiter.
Das entlastet ihn und bringt für andere Gutes. Doch so wie ich das Gute nehmen muss, wenn es mir zufällt
ohne mein Zutun, muss ich auch zustimmen, wenn mir etwas Schlimmes zustösst ohne mein Verschulden.
Ich muss mich also dem Schicksal fügen, sowohl im Guten wie im Schlimmen. Dann bin ich sowohl im
Einklang wie frei.

Dieses sich fügen ist Demut.
 

Unschuld und Rache

 
Der Unschuldige ist immer der Gefährlichste. Der Unschuldige hat die grössere Wut, und er handelt
am destruktivsten in einer Beziehung. Weil er sich im Recht fühlt. Er verliert das Mass. Der Schuldige
ist viel eher bereit, nachzugeben und wiedergutzumachen. Die Versöhnung scheitert in der Regel
nicht am Schuldigen, sondern am Unschuldigen.

Über Entrüstung, und was die Täter und Opfer und Rächer gleichermassen vom Fluch des Gesetzes
erlöst. Auch Helfer, die, anstatt zu verfolgen, zukunftssichernd sowohl den Opfern wie den Tätern
Wege weisen, um das Leid und die Schuld zum Guten zu wenden, werden manchmal Ziel von Entrüstung.
Denn Entrüstete fühlen sich im Dienste eines zwingenden Gesetzes, sei es nun das Gesetz des Mose,
das Gesetz Christi, das Gesetz des Himmels, das "natürliche" Gesetz, das Sittengesetz, das moralische
Gesetz, das Gesetz einer Gruppe oder auch nur, was ein blinder Zeitgeist uns vorgibt.

Wie immer das Gesetz auch heissen mag, es gibt den Entrüsteten Macht über die Täter und
über die Opfer und rechtfertigt das Schlimme, das sie anderen antun.

Die Frage ist, wie können Helfer und die Umgebung solcher Entrüstung begegnen,
ohne den Opfern oder den Tätern oder sich selber und der gerechten Ordnung zu schaden.

Dazu die bekannte Geschichte einer Ehebrecherin "In Jerusalem ging einst ein Mann vom Ölberg
in den Tempel. Als er eintrat, schleppten gelehrte Gerechte eine junge Frau herbei, umringten ihn,
stellten die Frau vor ihn in die Mitte dazu und sagten: "diese Frau wurde auf frischer Tat beim
Ehebruch ertappt. Im Gesetz hat uns nun Mose geboten, dass sie gesteinigt werden muss.

Was sagst du dazu?"

Es ging ihnen aber weder um diese Frau noch um die Tat. Es ging ihnen darum, einem Helfer,
der als milde bekannt war, eine Falle zu stellen. Sie waren über seine Milde entrüstet. Doch sie
hielten sich berechtigt, im Namen dieses Gesetzes sowohl die Frau zu vernichten als auch diesen
Mann - sollte er ihre Entrüstung nicht teilen, obwohl er mit der Tat ja gar nichts zu tun hatte."

Wir sehen hier zwei Gruppen von Tätern vor uns. Zur einen Gruppe gehört die Frau; sie war eine
Ehebrecherin, und die Entrüsteten nannten sie eine Sünderin. Zur anderen Gruppe gehören die
Entrüsteten: Sie waren der Gesinnung nach Mörder, nannten sich aber Gerechte.
Über beiden Gruppen lastete das gleiche harte Gesetz: Nur mit dem Unterschied,
dass es das eine schlimme Tun Unrecht nennt, und das andere, noch schlimmere, Recht.

Doch der Mann, dem sie die Falle stellen wollten, entzog sich ihnen allen: der Ehebrecherin,
den Mördern, dem Gesetz, dem Richteramt und der Versuchung zur Grösse. Er beugte sich
vor ihnen allen zur Erde. Er bückte sich und schrieb mit den Fingern in den Sand. Doch,
da die Entrüsteten seinen Fingerzeig nicht verstanden und ihn weiter lauernd bedrängten,
richtete er sich auf und sagte:

"Wer ohne Sünde ist, der werfe als erster den Stein."

Dann beugte er sich wieder zur Erde und schrieb erneut in den Sand. Auf einmal war alles verändert;
denn das Herz weiss mehr, als ihm das Gesetz erlaubt oder gebietet. Die Entrüsteten räumten den
Schauplatz und gingen davon, einer nach dem andern, die Ältesten voran. Der Mann aber achtete
ihre Beschämung und verharrte gebückt und schrieb in den Sand.

Erst als sie gegangen waren, richtete er sich wieder auf und fragte die Frau: " Wo sind sie?
Hat keiner dich verurteilt?" - "Nein, Herr", gab sie zur Antwort. Dann, als wäre er eines Sinnes
mit den zuvor Entrüsteten, sagte er zu der Frau: "Auch ich verurteile dich nicht."

Hier endet die Geschichte. Im überlieferten Text ist noch hinzugefügt: "Sündige nicht mehr!"
Dieser Satz ist, wie die Bibelwissenschaft beweisen konnte, ein späterer Zusatz, wahrscheinlich
von jemandem, der die Kraft dieser Geschichte nicht mehr ertrug. Eines bleibt noch anzumerken.
Über das eigentliche Opfer gingen die Entrüsteten und geht die Geschichte hinweg:

Den Mann der Frau.

Hätten die Entrüsteten die Frau gesteinigt, wäre ihr Mann doppelt zum Opfer geworden. Doch jetzt,
da kein Entrüsteter mehr zwischen sie tritt, haben beide die Möglichkeit, liebend den Ausgleich und
die Versöhnung zu finden und neu zu beginnen. Dürften Entrüstete zwischen sie treten, wäre ihnen
diese Lösung verwehrt, und nicht nur dem Täter, auch dem Opfer ginge es schlimmer. So geht es
manchmal auch missbrauchten Kindern, wenn sie statt in die Hände von Liebenden in die Hände
von Entrüsteten fallen. Um sie kümmern sich die Entrüsteten wenig. Denn die Massnahmen, die sie
aus dem Gefühl der Entrüstung vorschlagen und durchsetzen, machen es für die Opfer nur schwerer.

Das Kind, auch wenn es zum Opfer wurde, bleibt dem Täter verbunden und treu.

Wenn daher sein Vater verfolgt und moralisch und physisch vernichtet wird,
stirbt auch das Kind moralisch und physisch, oder es sühnt später eines seiner Kinder dafür.
 
Das ist der Fluch der Entrüstung und der Fluch des Gesetzes, auf das sich die Entrüstung beruft.
Die christliche Botschaft und das christliche Vorbild:

"Eine grössere Liebe hat niemand, als wer sein Leben hingibt für seine Freunde", und der Aufforderung
an seine Jünger, ihm auf dem Weg des Kreuzes nachzufolgen bis in den Tod. Die christliche Lehre von
der Erlösung durch Leiden und Tod und das Vorbild christlicher Heiliger und Helden bestätigen den
Glauben und die Hoffnung des Kindes, es könne stellvertretend für andere deren Krankheit und Unglück
und Tod übernehmen. Oder es könne, indem es Gott und dem Schicksal Gleiches für Gleiches bezahlt,
durch die eigene Krankheit und das eigene Leiden andere von ihrer Krankheit und ihrem Leiden erlösen
und sie durch den eigenen Tod ihrem Tode entreissen. Oder es könne, wenn ihm auf Erden keine Rettung
gelingt, den ihm durch den Tod schon entrissenen Lieben auch nach dem Tode nochmals begegnen,
indem es, wie sie, das Leben verliert und, wie es glaubt, durch den Tod wiederfindet.

Die Krankheit folgt der Seele
 
Da also dieses Bedürfnis nach Gleichwerden und Ausgleich Krankheit und Tod gleichsam herbeiwünscht,
folgt die Krankheit der Seele. Es braucht deshalb zur Heilung neben der ärztlichen Hilfe im engeren Sinn
auch seelenkundige Hilfe, sei es, dass der Arzt selber beides verbindet, sei es dass ein anderer seelsorgend
das ärztliche Tun unterstützt. Doch während der Arzt sich bemüht, die Krankheit behandelnd zu heilen, hält
sich ein seelsorgender Helfer eher zurück, denn staunend steht er vor Kräften, mit denen sich messen zu
wollen ihm anmassend erscheint. Und so bemüht er sich, im Einklang mit ihnen das schlimme Schicksal zu
wenden und mehr ihr Verbündeter denn ihr Gegner zu sein.
 

Krankheit als Sühne

 
 
Eine weitere Dynamik, die zu Krankheiten führt und zu Selbstmord, Unfall und Tod, ist der Wunsch
nach Sühne für Schuld.

Manchmal wird als Schuld angesehen, was schicksalhaft und unbeeinflussbar war, zum Beispiel eine
Fehlgeburt oder die Krankheit, die Behinderung oder der frühe Tod eines Kindes. Dann hilft es, die
Toten anzuschauen mit Liebe, sich der Trauer zu stellen und, was vorbei ist, in Frieden zu lassen.

Ist jemand schicksalhaft etwas zugestossen, das anderen einen Schaden zugefügt und ihm einen Vorteil,
die Rettung oder das Leben gebracht hat, wird das ebenfalls als Schuld erlebt, zum Beispiel wenn einem
Kind bei seiner Geburt die Mutter stirbt. Es gibt aber auch die wirkliche, persönlich zu verantwortende
Schuld, zum Beispiel wenn jemand ein Kind ohne Not weggegeben oder abgetrieben hat oder wenn er
einem anderen rücksichtslos etwas Schlimmes abverlangt oder zugefügt hat. Oft soll dann die schicksalhafte
und die persönliche Schuld durch Sühne getilgt werden, indem man für den zugefügten Schaden durch
eigenen Schaden bezahlt, die Schuld mit der Sühne "verrechnet" und sie so, wie man meint, wieder ausgleicht.

Auch diese Vollzüge, so unheilvoll sie für alle Betroffenen sind, werden durch religiöse Lehren und Vorbilder
gefördert, etwa durch den Glauben an erlösendes Leiden und Sterben und den Glauben an die Reinigung
von Sünde, Schuld und Schande durch Selbstbestrafung und äusseres Leid.

Der Ausgleich durch Sühne bringt doppeltes Leid.
 
Die Sühne stillt unser Bedürfnis nach Ausgleich. Doch wenn der Ausgleich durch die Krankheit
und Unfall oder durch Sterben gesucht wird, was wird dann wirklich erreicht? - Es gibt statt des
einen Geschädigten zwei und statt des einen Toten noch einen Zweiten. Schlimmer noch: für die
Opfer der Schuld ist die Sühne ein doppelter Schaden und ein doppeltes Unglück, weil durch ihr
Unglück anderes Unglück genährt wird, aus ihrem Schaden noch weiterer Schaden erwächst
und ihr Tod auch noch anderen Tod bringt. Und noch etwas ist zu bedenken. Die Sühne ist billig.
 
Wie beim magischen Denken und Handeln das Heil für den anderen allein aus dem eigenen Unheil
kommt, so dass eigenes Leiden für des anderen Rettung genügt, so ist es auch bei der Sühne.
Leiden für des anderen Sterben allein soll genügen, ohne dass die Beziehung ins Auge gefasst
wird und ohne dass der andere gesehen und, mit ihm im Blick, der Schmerz über sein Unglück
gefühlt wird und ohne dass dann mit seiner Zustimmung und seinem Segen etwas für andere getan
werden muss.

Auch bei der Sühne wird also mit Gleichem für Gleiches bezahlt. Auch hier wird das Handeln durch
Leiden ersetzt, das Leiden und Sterben allein ohne Handeln und Leistung genügt. Und wie durch
die Sätze: "Lieber ich als du" und "Ich folge dir nach", wenn sie vollzogen sind, Unheil und Leiden
und Tod nur noch grösser werden und mehr, so auch durch die vollzogene Sühne.
 
Ein Kind, dessen Mutter bei der Geburt starb, fühlt sich ihr gegenüber immer in der Schuld,
weil sie mit ihrem Tod für sein Leben bezahlt hat. Wenn nun das Kind dafür sühnt, indem es
sich schlechtgehen lässt, das heisst, wenn es sich weigert, sein Leben auch um den Preis
des Todes der Mutter zu nehmen, oder sich zur Sühne sogar das Leben nimmt, dann ist
das Unglück für die Mutter doppelt schlimm.

Dann wird das Leben, das sie ihm schenkte, vom Kind nicht genommen, und ihre Liebe
und ihre Bereitschaft, ihm alles zu geben, werden vom Kind nicht geachtet. Ihr Tod war
dann umsonst, ja mehr noch, er hätte statt Leben und Glück zusätzliches Unglück gebracht,
und statt der einen Toten gäbe es zwei. Wenn wir solch einem Kind helfen wollen, müssen wir
im Auge behalten, dass es sowohl einen Wunsch nach Sühne hat als auch den Wunsch:

"Lieber ich als du" und "Ich folge dir nach".

Wir können daher mit dem unheilvollen Wunsch nach Sühne nur dann heilend umgehen,
wenn uns auch mit den Sätzen "Lieber ich als du" und "Ich folge dir nach" die heilende Lösung gelingt.
 


Der Ausgleich durch Nehmen und versöhnendes Tun.
 
Was wäre nun für dieses Kind eine Lösung, die ihm und seiner Mutter gemäss ist?

Das Kind müsste sagen: "Liebe Mama, wenn du schon einen solch hohen Preis für
mein Leben bezahlt hast, dann soll es nicht umsonst gewesen sein; ich mach' was
daraus, dir zum Andenken und dir zur Ehre."

Dann aber muss das Kind handeln anstatt zu leiden, leisten statt zu versagen und leben anstatt zu sterben.
Dann wäre es ganz anders mit der Mutter verbunden, als wenn es ihr nachfolgt in Unheil und Tod.
Im Unterschied zum Ausgleich durch Sühne, der nur ein Ausgleich durch Schlimmeres ist, durch Schaden
und Tod, wäre dies ein Ausgleich im Guten. Doch im Unterschied zum Ausgleich durch Sühne, der billig ist
und schadet und nimmt, ohne dass er dadurch versöhnt, ist der Ausgleich im Guten teuer.

Doch er bringt Segen und bewirkt daher eher, dass sich die Mutter mit ihrem, und das Kind mit seinem
Schicksal versöhnt. Denn das Gute, das dieses Kind zum Andenken an seine Mutter vollbringt, geschieht
ja durch sie. Durch ihr Kind hat sie Anteil daran. Sie lebt und wirkt darin weiter.

Das aber wäre im Unterschied zum magischen Ausgleich ein Ausgleich, wie er der Erde gemäss ist.
Er folgt der Einsicht, dass unser Leben einmalig ist und dass es, indem es vergeht, dem kommenden Platz
macht und, obwohl schon vergangen, das gegenwärtige nährt. Was also wäre für liebende Helfer zu tun?
Sie entsagen der Dramatisierung und suchen einfache Wege, auf denen sowohl die Opfer als auch die Täter
neu beginnen können, doch wissender und milder als vorher. Statt auf ein sogenanntes höheres Gesetz
schauen sie nur auf die Menschen, seien sie Opfer, seien sie Täter, und reihen sich unter sie ein.
Sie wissen: nur das Gesetz erscheint ehern und ewig; aber auf der Erde ist alles vergänglich, und es hat
Liebe für alle: für die Opfer, für die Täter, für die geheimen Anstifter dahinter und für die Rächer, die sie
selber wohl auch schon mal waren."
 
 

Glauben und Liebe

 
"Einem Mann träumte in der Nacht, er habe die Stimme Gottes gehört, die ihm sagte: "Steh auf, nimm
deinen Sohn, deinen einzigen geliebten, führe ihn auf den Berg, den ich dir zeigen werden, und bringe
ihn mir dort zum Schlachtopfer dar!" Am Morgen stand der Mann auf, schaute seinen Sohn an, seinen
einzigen geliebten, schaute seine Frau an, die Mutter des Kindes, schaute seinen Gott an. Er nahm
das Kind, führte es auf den Berg, baute einen Altar, band ihm die Hände, zog das Messer und wollte
es schlachten. Doch dann hörte er noch eine andere Stimme, und er schlachtete, statt seines Sohnes,
ein Schaf."
 
Wie schaut der Sohn den Vater an? - Wie der Vater den Sohn?
- Wie die Frau den Mann? Wie der Mann die Frau?
- Wie schauen sie Gott an? - Und wie schaut Gott - wenn es ihn gibt
- sie an?
 
"Noch einem anderen Mann träumte in der Nacht, er habe die Stimme Gottes gehört, die ihm sagte:
"Steh auf, nimm deinen Sohn, deinen einzigen geliebten, führe ihn auf den Berg, den ich dir zeigen
werde, und bringe ihn mir dort zum Schlachtopfer dar!" Am Morgen stand der Mann auf, schaute
seinen Sohn an, seinen einzigen geliebten, schaute seine Frau an, die Mutter des Kindes,
schaute seinen Gott an. Er gab zur Antwort, ihm ins Angesicht:

"Ich tue das nicht!"
Wie schaut der Sohn den Vater an? - Wie der Vater den Sohn?
- Wie die Frau den Mann? Wie der Mann die Frau? - Wie schauen sie Gott an?
Und wie schaut Gott - wenn es ihn gibt - sie an?
 

Sühne als Ersatz für Beziehung

 
Durch die Sühne vermeiden wir, uns der Beziehung zu stellen, denn durch die Sühne behandeln wir
Schuld wie eine Sache, bei der man für den Schaden mit etwas, das einem selbst etwas kostet, bezahlt.
Doch was kann solche Sühne bewirken, wenn ich einem Menschen unrecht getan, ihn ins Unglück
gebracht und ihm an Leib und Leben nicht zu ersetzenden Schaden zugefügt habe?
Mich durch Sühne entlasten, indem ich mir schade, kann ich doch nur, wenn ich ihn aus dem Auge verliere.
Denn wenn ich ihn im Auge behalte, muss ich erkennen, dass ich durch Sühnen aufheben will, was notwendig bleibt.

Auch bei der persönlich zu verantwortenden Schuld ist die Lösung, die Sühne zu ersetzen durch versöhnendes
Tun. Dies geschieht dadurch, dass ich der Person, der ich unrecht getan oder Schlimmes abverlangt und zugefügt
habe, in die Augen schaue, dass zum Beispiel die Mutter ein abgetriebenes oder verleugnetes oder verlassenes
Kind anschaut als ihr Gegenüber und ihm sagt: "Es tut mir leid" und "Ich gebe dir jetzt einen Platz in meinem Herzen"
und "Ich mache es gut, so gut ich noch kann" und "Du sollst Anteil haben am Guten, das ich im Gedenken an dich
und mit dir vor Augen vollbringe".

Dann wäre die Schuld nicht umsonst, denn das Gute, das die Mutter - oder wer immer es ist - im Gedenken
an dieses Kind und mit ihm vor Augen vollbringt, geschieht ja mit dem Kind und durch das Kind. Es nimmt
daran teil und bleibt mit der Mutter und ihrem Tun eine Zeitlang verbunden.

Aber die Schuld geht auf der Erde vorbei und sie muss vorbeigehen dürfen. Nur vom Himmel gibt es eine
ewige Schuld. Auf Erden ist sie vergänglich und, wie alles auf ihr, nach einiger Zeit auch vorbei.

 

Die Liebe, die heilt

 
Heilung und Rettung liegen bei solcher Verstrickung jenseits von nur ärztlichem und therapeutischem Tun.
Sie verlangen einen religiösen Vollzug, eine Bekehrung auf Grösseres hin, das über das magische Denken
und Wünschen hinausgeht und es entmachtet. Diese Grössere wäre - im Gegensatz zur trügerischen
Verheissung des Himmels - die Erde.

Wer die Erde bejaht, bejaht sowohl ihre Fülle als auch ihr Anfang und Ende, und das Leben. Manchmal
kann der Arzt oder Helfer einen solchen Vollzug vorbereiten und unterstützen. Der liegt aber nicht in seiner
Macht und folgt nicht, wie der Ursache die Wirkung, einer Methode. Wenn er gelingt, verlangt er das Letzte
und wird erfahren als Gnade. Ehren der Eltern ist Ehren der Erde. Wer an den Himmel glaubt, der glaubt
vielleicht, er könne sich mit Hilfe des Himmels über die Erde und über die Eltern erheben. Ehren der Eltern
aber ist Ehren der Erde. Die Eltern ehren heisst, sie nehmen und lieben, so wie sie sind, und die Erde
ehren heisst, sie nehmen und lieben, so wie sie ist: mit Leben und Tod, Gesundheit und Krankheit,
mit Anfang und Ende. Das aber ist der eigentliche religiöse Vollzug, den man früher Hingabe und Anbetung
nannte. Wir erfahren ihn als äusserste Entäusserung,die alles gibt und alles nimmt und alles nimmt und alles
gibt - mit Liebe.




Liebe Mama, ich danke Dir für alles,
was ich von Dir bekommen habe.
Es war reichlich. und ich nehme es von dir,
wie du es von deiner Mutter genommen hast,
mit allem, was dazugehört, liebe Mamma.
 
 

Das Ende

 
 
Harald, ein junger Mann von zwanzig Jahren, der öfters tat, als sei er mit dem Tod auf du und du,
und andere damit schockierte, erzählte einem Freund von seiner grossen Liebe, der nun schon
achtzigjährigen Maude: wie er mit ihr Geburtstag und Verlobung feiern wollte und wie sie mitten
in der Fröhlichkeit gestand, sie habe Gift genommen und um Mitternacht sei es mit ihr vorbei.
Der Freund besann sich eine Weile, und dann erzählte er ihm eine Geschichte:
 
 
"Auf einem winzigen Planeten lebte einst ein kleiner Mensch, und weil er dort der einzige war,
nannte er sich Prinz, das heisst der Erste und der Beste. Doch ausser ihm gab es noch eine
Rose dort. Sie hatte früher wunderbar geduftet, jetzt aber schien sie dauernd am Verwelken,
und der kleine Prinz - er war ja noch ein Kind - hatte alle Hände voll zu tun, um sie am Leben
zu erhalten. Tagsüber musste er sie giessen und in der nacht vor Kälte schützen.

Doch wenn er selber etwas von ihr haben wollte - so wie es früher manchmal möglich war,
zeigte sie ihm die Dornen. Kein Wunder, dass er es im Laufe der Jahre satt war, und so
entschloss er sich zu gehen. Zunächst besuchte er Planeten in der Nachbarschaft.
Sie waren winzig wie sein eigener, und ihre Prinzen waren fast so wunderlich wie er.
Dort hielt ihn nichts.

Dann aber kam er auf die schöne Erde und fand den Weg in einen Rosengarten.
Es müssen Tausende gewesen sein - eine schöner als die andere, und die Luft
war süss und schwer von ihrem Duft.

Nie hätte er sich träumen lassen, dass es so viele Rosen gab, denn bisher kannte er nur die eine,
und er war hingerissen von ihrer Fülle und von ihrer Pracht. Doch unter diesen Rosen entdeckte
ihn ein schlauer Fuchs. Er stellte sich, als sei er scheu, und als er sah, dass er dem Fremden
kleinen Mann beschwatzen konnte, sagte er: "Du hälst die vielen Rosen hier vielleicht für schön.
Doch sie sind nichts besonderes. Sie wachsen wie von selbst und brauchen wenig Pflege.
Doch deine ferne Rose dort ist einzigartig, denn sie ist anspruchsvoll. Geh wieder heim zu ihr!"
Da wurde der kleine Prinz verwirrt und traurig und nahm den Weg, der in die Wüste führt.
Dort traf er einen Flieger, der notgelandet war, und er hoffte, dass er bei ihm bleiben dürfe.

Der aber war ein Luftikus und wollte sich nur unterhalten, und so erzählte ihm der kleine Prinz,
er gehe heim zu seiner Rose. Sobald es aber Nacht geworden war, schlich er sich fort zu einer
Schlange. Er tat, als wolle er sie treten: da biss sie zu. Er zuckte noch, dann war er still - und starb.
Am nächsten Morgen fand der Flieger seine Leiche. "Schlauberger!" dachte er, und verscharrte
den Rest im Sand." Harald - so war später zu vernehmen - soll Maudes Begräbnis ferngeblieben
sein. Statt dessen habe er, zum ersten mal seit Jahren, Rosen auf seines Vaters Grab gelegt.
 


Bert Hellinger
Geboren 1925, studierte Philosophie, Theologie und Pädagogik.
16 Jahre in Südafrika als Mitglied eines katholischen Missionsordens.
Später wurde er Psychoanalytiker und kam nach längeren
Studienaufenthalten in den USA über die Gruppendynamik,
die Transaktionsanalyse, die Primärtherapie
und verschiedene hypnotherapeutische
Verfahren zu der ihm eigenen
System- und Familientherapie.
 

Bert Hellinger

Bekannt wurde er durch seine grundlegenden Einsichten in die
Gesetzmässigkeiten, nach denen Familienmitglieder sich
tragisch verstricken, sowie durch seine konzentrierte,
sofort auf Lösungen hinzielende Art,
Familien zu stellen.

 
Weiterführende Literatur
Von Bert Hellinger:

- Ordnungen der Liebe, Carl-Auer Verlag
- Anerkennen, was ist. Kösel Verl.
- Familienstellen mit Kranken, Carl-Auer
- Finden, was wirkt. Kösel Verlag.
- Geschichten, die heilen. Vier-Türme.
- Grenzen des Gewissens. Vier-Türme.
- Die Mitte fühlt sich leicht. Kösel Verlag.
- Schicksalsbindungen bei Krebs. Carl-Auer-Verlag.
- Schuld und Unschuld. Vier-Türme
- Verdichtetes. Carl-Auer-Verlag.
- Vom Himmel, der krank macht. Vier-Türme Verlag.
- Wirkungsweisen des Gewissens. Vier-Türme Verlag.
- Was die Seele krank macht und was sie heilt. - Knaur Tb "Mens Sana"
Thomas Schäfer


Liste der Therapeuten

Familienstellen nach Bert Hellinger
2013
 
Lerch Christian
 
Pilatusstrasse 17
 
6003 Luzern
 
Zumstein Elisabeth
Brüöl 2
6430 Schwyz
0 418 103 252
Stucki Hansruedi
Gänshaldenweg 10
4125 Riehen
0 616 416 241
Schuler Karin
Höhtalstrasse 47
5408 Ennetbaden
0 562 103 615
Plüss Olga
Schlossbergstrasse 5a
8820 Wädenswil
0 17 804 800
Hänggi Eva
Einsiedlerstrasse 23
8820 Wädenswil
0 17 808 590
Müller Markus
Freie Strasse 1
8952 Schlieren
0 17 301 614
Eike Christof
Zweiackerstrasse 36
8053 Zürich
0 13 825 216
Abele Georg
Frutigenstrasse 24
3600 Thun
0 332 232 357
Spillmann Yuti
Zugerbergstrasse 44
6300 Zug
0 417 123 310
Frey Emil
Grimselweg 5
6005 Luzern
0 413 606 049
Guidon Maria
Unter Altstadt 28
6300 Zug
0 417 112 070
Sieber-Hagedorn
Schloss Ludingen
6027 Römerswil
0 419 102 611
Allamand Ruth
Jeglerlehnerweg 11
6010 Kriens
0 413 112 887
Gugelmann Ursula
Ziegelrain 23
5000 Aarau
0 628 231 110
Zimmermann Elisabeth
Höhenstrasse 3
8954 Geroldswil
0 17 484 953
Zentrum
Schwabistal
5037 Muhen
0 627 233 053

Wieslocher Institut für systemische Lösungen
c/o Akademie im Park, Heidelberger Strasse 1a
D-69168 Wiesloch
Tel. ++49/6222 552 760
Fax. ++49/6222 552 766
wisl@wieslocher-institut.com
www.wieslocher-institut.com

 

 
Seminare mit Christian Lerch



Information & Anmeldung
Christian Lerch
Pilatusstrasse 17
6003 Luzern

Tel  +41 (0)412 405 272

chlerch@dplanet.ch
www.christian-lerch.ch
 



 
 


 
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